ENTREMO IV Woche 3 – Zuversicht (die Kraft unserer inneren Haltung)

Untergangspropheten, die vom Pessimismus leben – und gar nicht schlecht – empfinden jede Art von Zuversicht zwangsläufig als Existenzbedrohung.    Bob Hope

Laut Duden bedeutet Zuversicht „festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen“. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Zuversicht üblicherweise mit Optimismus gleichgesetzt, mit Hoffnung und positivem Denken – all diese Begriffe werden gern synonym verwendet. Dabei meint Zuversicht eigentlich etwas anderes: Ursprünglich leitet sich dieser Begriff vom althochdeutschen Wort »zuo-fir-siht« ab, was so viel bedeutete wie das »Voraussehen auf die Zukunft« – egal, ob diese nun gut oder schlecht war. Erst im Laufe der Zeit wandelte sich der Begriff von der neutralen Zukunftsaussicht hin zu einer mehr hoffnungsvoll geprägten Erwartung dessen, was die Zukunft bringt.

Doch bis heute bezeichnet der Begriff Zuversicht eine sehr viel realitätsnähere Haltung als der Optimismus. Während Optimisten die Welt gern durch die rosarote Brille sehen und hoffnungsfroh davon ausgehen, dass am Ende irgendwie alles gut wird, gehört zur Zuversicht auch das Wissen um Hindernisse und Schwierigkeiten und die nüchterne Erkenntnis, dass Dinge eben manchmal nicht gut ausgehen. Sich dennoch nicht entmutigen zu lassen und die Energie zur positiven Gestaltung aufzubringen – das ist die wahre Kunst der Zuversicht. Sie ist eine unterschätze Eigenschaft, die nicht nur unsere Weltsicht, sondern auch unsere Gesundheit und den Erfolg beeinflusst. Zuversicht ist das Vertrauen darauf, dass Ziele erreicht werden, Wünsche in Erfüllung gehen und Hoffnungen wahr werden. 

Eingängig lassen sich die Unterschiede zwischen Optimismus, Zuversicht und Pessimismus anhand der berühmten Parabel von den drei Fröschen illustrieren, die in einen Topf mit Milch (oder korrekter: mit Sahne) fallen. Der pessimistische Frosch denkt: »Oje, wir sind verloren, der Rand ist viel zu hoch, es gibt keine Rettung mehr.« Sagt’s und ertrinkt. Der optimistische Frosch dagegen gibt sich unerschütterlich: »Keine Sorge, nichts ist verloren. Irgendjemand wird uns schon retten, wir müssen nur hoffen und warten und dürfen unseren Optimismus nicht verlieren.« Und er hofft und wartet – und ertrinkt schließlich ebenso sang- und klanglos wie der erste. Der dritte, zuversichtliche Frosch hingegen sagt sich: »Hm, schwierige Lage, da bleibt mir nichts anderes übrig, als zu strampeln.« Er reckt den Kopf über die Oberfläche und strampelt und strampelt – bis die Sahne zu Butter wird und er sich mit einem Sprung aus dem Topf retten kann. Zuversicht bedeutet also nicht, illusionäre Hoffnungen zu hegen, sondern einen klaren Blick für den Ernst der Lage zu behalten – doch zugleich, sich davon nicht lähmen zu lassen, sondern die Spielräume zu nutzen, die sich auftun, und seien sie noch so klein.

Und diese Haltung ist heute wichtiger denn je. Denn um im Bild der Frösche-Parabel zu bleiben: Wir sind gewissermaßen alle in den Milchtopf gefallen. Unsere Gesellschaft steht vor enormen Herausforderungen und Problemen, und oft wissen wir (noch) nicht, wie die Lösung aussieht. Mit welcher Haltung treten wir dieser Situation gegenüber? Verzweifeln wir und lassen uns untergehen? Hoffen wir optimistisch darauf, dass uns irgendjemand oder irgendetwas – der technische Fortschritt, ein charismatischer Führer – eines Tages retten wird? Oder bringen wir den Mut und den
Schwung auf, selbst tätig zu werden und trotz schwieriger Ausgangslage nach Lösungen zu suchen?

Voraussetzungen für Zuversicht

Zuversicht ist vor allem innere Einstellung und Haltung. Denn neueste Erkenntnisse aus Medizin, Neurobiologie, Psychologie und Philosophie zeigen: Nicht die Herausforderungen sind entscheidend, sondern die innere Haltung, die wir dazu einnehmen.  Zwei Eigenschaften sind dafür wesentliche Voraussetzungen:

  1. Vertrauen – und zwar ein tief verwurzeltes Vertrauen darauf, dass sich die Dinge schon so entwickeln werden, wie man es sich erhofft oder wünscht, unabhängig von noch so widrigen Umständen oder dem eigenen Tun und Können.
  2. Selbstvertrauen – Der Zuversichtliche ist davon überzeugt, selbst einen wirksamen Beitrag leisten und die Situation meistern zu können. Er hat das Selbstbewusstsein, die Entwicklung entsprechend beeinflussen zu können und nicht nur den Umständen ausgeliefert zu sein.

Menschen mit Zuversicht schaffen oft eine selbsterfüllende Prophezeiung. Weil Sie daran glauben, dass sie es schaffen – schaffen sie es wirklich. Sie überwinden Zweifel und Skepsis.

Manchmal trifft Dich das Leben wie ein Ziegelstein. Verliere dann nicht Deine Zuversicht.    Steve Jobs